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Säugetiere

Im Nationalpark "Ujście Warty" wurden 39 Säugetierarten festgestellt. Sechs davon gehören zur Ordnung der Insektenfresser (Insectivora), zwei zur Ordnung der Fledertiere (Chiroptera) (diese Gruppe bedarf allerdings im Park weiterer Feldforschungen), eine zur Ordnung der Hasentiere (Lagomorpha), vierzehn zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia), elf zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora) und fünf zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla).

Da das Parkgebiet stark vom Wasser geprägt ist, weisen relativ viele von hier vorkommenden Säugetierarten Anpassungen an die amphibische Lebensweise auf. Beispiele dafür sind:

Die zu den Insektenfressern gehörende Eurasische Wasserspitzmaus (Neomys fodiens), die ihre Beute – im Wasser lebende Wirbellose, Schnecken, Amphibien und kleine Fische – mit dem in Giftdrüsen produzierten Sekret paralysiert. Sehr markant ist bei der Wasserspitzmaus eine borstenartige Behaarung der Schwanzunterseite (hier bilden die Haare den sog. Borstenkiel) und der Hinterfüße, an denen die Borsten den Vortrieb im Wasser fördern.

  • Europäischer Biber (Castor fiber) – ein pflanzenfressender Nager, dessen Lebensweise eng mit Wasserhabitaten verbunden ist. Das dichte Gewässernetz des Parks begünstigt sein Vorkommen. Die von Bibern gebauten Dämme, die das Wasser an einer bestimmten Stelle aufhalten sollen, und Biberburgen, in denen sie leben, sind hier zahlreich anzutreffen. Im Frühling werden die Biberburgen oft von Graugänsen als Unterbau für ihre Nester genutzt.
  • Die ebenfalls pflanzenfressenden und zu Nagern gehörenden Bisamratte (Ondatra zibethica) und Schermaus (Arvicola terrestris) weisen im Gegenteil zu dem Biber seit mehr als zehn Jahren eine rückläufige Tendenz auf. Es ist wahrscheinlich auf die hohe Zahlenstärke des Minks zurückzuführen, für den sie eine attraktive Beute darstellen. Die Bisamratte ist eine ursprünglich nordamerikanische Art, die nach Europa von Menschen gebracht wurde. Die Schermaus ist dagegen ein Vertreter der heimischen Fauna.
  • Der Fischotter (Lutra lutra) – ein ausgezeichnet schwimmender Räuber, der in Wasserlebensräumen hervorragend zurechtkommt. Wasser ist für ihn nicht nur eine Nahrungsquelle (Fische, Amphibien, Wirbellose), sondern auch ein Zufluchtsort und, was nicht ohne Bedeutung ist, ein Spielplatz, denn sogar erwachsene Tiere dieser Art spielen besonders gerne. Es scheint, dass die Zahlenstärke der Fischotterpopulation im Gebiet geringfügig zunimmt.

Das gut entwickelte Gewässernetz des Parks schafft ideale Lebensräume für mehrere vom Wasser mehr oder weniger abhängige Tierarten. Sowohl fließende als auch stagnierende Gewässer stellen für einige weitere von hier vorkommenden Säugerarten ihre Nahrungsgebiete, Zufluchtsorte und Rastplätze dar.

Es sind u.a.:

  • Der Mink oder Amerikanischer Nerz (Mustela vison), dessen Nahrungsbasis die in stagnierenden und fließenden Gewässern erbeuteten Fische darstellen. In der Diät des Minks spielen auch Vögel und ihre Eier, Amphibien und kleine Säuger eine wichtige Rolle. Der Mink ist ein intelligentes Tier und ein vorzüglicher Schwimmer und Baumkletterer. Deswegen stellt er als fremde Art eine große Gefahr für einheimische Fauna, insbesondere für Wasser- und Wattvögel, dar.  Ein wichtiger Faktor, der die Zahlenstärke des Minks in der Gegend positiv beeinflusst, sind die in der Umgebung des Parks befindlichen Pelzfarmen. Die aus der Gefangenschaft fliehenden Tiere verstärken die in freier Wildbahn lebende, lokale Mink Population.
  • Der Waschbär (Procyon lotor) ist ein Nahrungsopportunist, der sich durch eine große Schläue und Intelligenz auszeichnet. Hauptbestandteile seiner Nahrung sind kleine Säuger, Amphibien und Wasserwirbellose, also Tiere, die im großen Maße mit Wasserlebensräumen verbunden sind. Waschbären  meiden aber auch keine pflanzliche Nahrung und menschliche Abfälle. Der Waschbär stellt als eine fremde, von Menschen eingeschleppte Art eine potentielle Gefährdung für lokale Fauna und Flora dar und kann Störungen im ökologischen Gleichgewicht verursachen.
  • Europäischer Iltis (Mustela putorius) ist eine Tierart, die gewässerreiche Lebensräume besonders gerne besiedelt. Es hängt mit der Diät des Iltisses, in der Amphibien eine wichtige Rolle spielen, zusammen. Vertreter dieser Säugerart suchen die Gewässer besonders oft in der Wintersaison auf, denn dort finden sie auf dem Grund hibernierende Amphibien, die in dieser Jahreszeit sogar bis zu 90% der vom Iltis aufgenommenen Nahrung darstellen können.

Charakteristisch für den Park sind offene Landschaften, die vor allem aus landwirtschaftlich genutzten Grünflächen (Mahd, Beweidung) und Brachflächen, die oft mit bis zu vier Meter hohem Schilf bewachsen sind, bestehen. Diese Lebensräume werden sehr gerne von im Gebiet vorkommenden Schalentieren wie Rothirsch, Reh oder Wildschwein besiedelt.

Die größte dieser drei Arten, der Rothirsch (Cervus elaphus), hat sich trotz dem Mangel an Wäldern an die hier herrschenden Bedingungen hervorragend angepasst. Nach der Besiedlung der im Park vorhandenen kleinen Feuchtwaldabschnitte (Auenwald und Erlenbruch) haben die Rothirsche aus Mangel an geeigneten Lebensräumen angefangen, sich auch in anliegenden Flächen zu verbreiten. Diese Lebensräume werden hauptsächlich von einem Mosaik aus Feuchtwiesen, Hochstaudenfluren und Röhrichten (darunter auch von für diese Tierart wichtigen Schilfröhrichten) gebildet, wobei die zwei ersten Biotope als Nahrungsbasis, und das dritte als ein hervorragender Zufluchtsort dienen. Am Rande der Schilfröhrichte findet im Herbst das spektakuläre Brunftspektakel der Rothirsche statt. In dieser Zeit kann man die imposanten Brunftrufe erwachsener männlicher Rothirsche hören, die auf diese Weise um die Gunst weiblicher Tiere buhlen. Im Spätherbst kann man große, einige Dutzend starke Rotwildrudel mit diesjährigen, inzwischen schon gut herangewachsenen Kälbern beobachten. Die Rothirschpopulation im Park wird auf 150 Tiere geschätzt, und die Zahlenstärke weist seit einigen Jahren eine geringfügig aber kontinuierlich steigende Tendenz auf.

Der kleinere Vertreter der Schalentiere, das Reh (Capreolus capreolus) ist im Parkgebiet wesentlich zahlreicher vertreten als der Rothirsch. Die Rehpopulation bleibt auf einem relativ konstanten Niveau, wobei im Laufe der Jahre auch deutliche Schwankungen der Zahlenstärke (sog. Fluktuationen) beobachtet werden. Gegenwärtig wird die Rehpopulation im Park auf 450 Tiere geschätzt. Das Reh, ähnlich wie der Rothirsch, besiedelt die für diese Art ursprünglichen Lebensräume, d.h. offene Biotope. Im Winter vereinigen sich Rehe zu großen Rudeln von bis zu einigen Dutzend Tieren. Das Leben im Rudel erleichtert den Rehen, die schwierige Winterzeit zu überstehen, in der diese relativ kleinen Tiere es schwer haben, sich im tiefen Schnee fortzubewegen und darunter nach Nahrung zu suchen. Auch deswegen fallen Rehe in dieser Jahreszeit besonders oft den Raubtieren zum Opfer.

Die letzte von hier besprochenen Schalentierarten, das Wildschwein (Sus scrofa), kommt im Park relativ zahlreich vor, allerdings weist die Population in den letzten Jahren eine geringfügig rückläufige Tendenz (2008 ca. 400 Tiere, 2009 ca. 300 Tiere) auf. Charakteristisch für hiesige Wildschweine ist es, dass erwachsene Tiere nur geringe Körpermaße erreichen, was wahrscheinlich auf die schwache Qualität der zugänglichen Nahrung zurückzuführen ist. Ähnlich wie die oben genanten Schalentierarten besiedelt auch das Wildschwein die vorhandenen Biotope, die von einem Mosaik aus Feuchtwiesen, Röhrichten und Wäldern bestehen. Oft findet man in diesem Gebiet die sehr typischen Anzeichen der Anwesenheit von Wildschweinen, die sog. Saubrüche, d.h. Stellen an denen die Tiere auf der Nahrungssuche die Grasnarbe umwühlen bzw. umbrechen.

Ausgedehnte Wiesen begünstigen das Vorkommen einer artenreichen Kleinsäugerfauna. Im Park werden zahlenstarke Populationen folgender Arten notiert: Waldspitzmaus (Sorex araneus), Nordische Wühlmaus (Microtus oeconomus) und Brandmaus (Apodemus agrarius). Diese kleinen Säuger bilden eine reiche Nahrungsbasis für andere im Park vorkommenden Tierarten, sowohl für Vögel (Eulen, Greifvögel, Würger) als auch für Säugetiere. Sie sind ein besonders wichtiger Diätbestandteil für Vertreter der Familie der Hunde, wie der einheimische Rotfuchs (Vulpes vulpes), und der aus Asien stammende Marderhund (Nyctereutes procyonoides), sowie für Marderartige wie: Baummarder (Martes martes), Steinmarder (Martes foina), Hermelin (Mustela erminea) und Mauswiesel (Mustela nivalis). Die Zahlenstärken der Fuchs- und der Marderhundpopulation sind relativ hoch. Ein Grund dafür ist die Fähigkeit dieser beiden Arten, sich an verschiedene Lebensräume anzupassen. In diesem Gebiet – ähnlich wie in ganz Polen – wählen sie aber eher trockenere, oft mit Bäumen oder Gebüschen bewachsene Stellen, an denen der Boden für das Graben eines Erdbaus geeignet ist. Vertreter der Marderfamilie kommen im Park nur mäßig zahlreich vor, und die Zahlenstärken einzelner Arten weisen unterschiedliche Veränderungstendenzen auf.

Im Nationalpark "Ujście Warty" kommen drei eingebürgerte bzw. eingeschleppte Arten der Säugetiere vor: Mink, Waschbär und Marderhund. Die zwei ersten Arten wurden von Menschen aus Nordamerika nach Europa verbracht, die dritte stammt aus Fernosten. Alle oben genannten Säugerarten stellen für die heimische Fauna und Flora eine potentielle oder reale Gefahr dar. Gegenwärtig werden von Mitarbeitern des Parks Forschungen zur Ökologie und zum Einfluss dieser Arten auf die lokalen Lebensräume geführt.

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Anschriftdaten

Nationalpark „Ujście Warty”
Chyrzyno 1
69-113 Górzyca

Kontaktdaten

tel. 95 7524027
fax: 95 7524027 w. 16
sekretariat@pnujsciewarty.gov.pl

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